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In den Sommerferien – ich fuhr mit meinem Koffer mit der S-Bahn von München-Pasing zum Hauptbahnhof. Mir gegenüber saßen eine ältere Dame und ein vierjähriger Junge, ebenfalls mit Koffer. Die Dame schaute müde und traurig aus, der  Junge schmiegte sich immer wieder an sie, tätschelte ihren Busen und versuchte mit ihr in Kontakt zu kommen, doch keine Reaktion. Plötzlich erschallte die Stimme der S-Bahn-Fahrerin mit einer persönlichen Botschaft: „Singen und Betteln in der S-Bahn verboten, die singenden und bettelnden Menschen mögen dies bitte unterlassen oder an der nächsten Haltestelle aussteigen!“ Naja, die Stimme klang sehr streng und alle Gespräche der Mitfahrenden verstummten. Irgendwie hatte ich mein Amüsement, da ich mich an das wunderbare Video erinnert fühlte und der Junge spürte wohl meine Erheiterung. Er fragte mich dann, warum ich nicht mit ihm spreche. So kamen wir in ein lockeres Gespräch. Er erzählte mir, dass er in den Kindergarten geht, jetzt Ferien hat, eine Woche bei seiner Oma war und nun zu einem Freund fährt. Ich fragte ihn, ob sein Freund auch in den Kindergarten geht, darauf der Junge, „nein der Freund ist schon zwölf“. Darauf ich „Na dann seid ihr beide ja ein tolles Gespann!“, woraufhin um uns herum sehr viel Gelächter ausbrauch. Die Oma schaute immer noch traurig und abweisend, doch wir beide hatten ein immer vergnüglicheres Gespräch. Ich erfuhr, dass der Junge Tom heißt uns sein Freund Karli. Dieser wohnt in Niederbayern und die Oma bringt ihn dorthin, er müsse noch gaaaanz lange mit dem Zug fahren usw. Unser Gespräch wurde immer lebhafter und irgendwann sagte ich: „Tom wir müssen aufpassen, sonst teilt uns die S-Bahn-Fahrerin über Lautsprecher mit, dass in der S-Bahn Lachen und Fröhlichsein verboten ist“. Daraufhin brach der ganze Waggon in schallendes Gelächter aus – UND das schönste: die Oma lachte laut mit. Und was ging plötzlich für eine Veränderung in ihr vor: ihr Gesicht verjüngte sich, sie sah aus wie ein junges Mädchen vom Land, rote Backen und strahlende Augen. Ich konnte meinen Blick gar nicht von ihr abwenden, so sehr berührte mich diese Veränderung. Und Tom erst! Er küsste ihren Arm, strahlte sie an und war glücklich. Ich auch! Und viele andere auch! Wir verabschiedeten uns am Hauptbahnhof, wünschten uns gegenseitig eine gute Weiterreise und gingen auseinander.

In diesem wenigen Mitnuten war der ganze S-Bahn-Waggon eine Herberge der Freude auf Zeit!