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Samstag Vormittag im Regionalzug von München nach Nürnberg. Der Zug ist erstaunlich leer, ich habe einen schönen Platz und widme mich meinem Strickzeug. Es steigen zwei ältere Herren ein, sie finden einen Platz mit Tisch in der Mitte und eigentlich ist alles gut und entspannt. Doch die beiden haben ein Bayernticket 1. Klasse gelöst und der Zug hat aber kein Abteil der 1. Klasse, was die beiden Herren ziemlich verärgert. Sie überlegen sich schon eine Strategie, wie sie zu ihren umsonst gezahlten Kosten kommen und wollen Gutscheine einfordern.

Der Zug verlässt überpünktlich den Münchner Hauptbahnhof und schon bald begrüßt uns eine überaus freundliche und heitere Stimme in einem wirklich ausgeprägten Sächsich. Es bricht sofort große Heiterkeit im Waggon aus – angesichts der netten und freundlichen Begrüßung in diesem wunderbaren Dialekt. So macht Zugfahren am Samstag Morgen wirklich Spass, es war als ob noch einmal die Sonne aufgehen würde.

Es dauerte nicht lange und der nette Zugbegleiter kam zur Fahrkartenkontrolle in unser Abteil. Jeder Fahrgast wurde mit einem netten Spuch bedacht, alle Fahrgäste waren bester Laune – bis auf die beiden Herren. Obwohl sie einen wunderbaren Platz hatten und eigentlich alles gut war,. äußerten sie sehr deutlich ihr Missfallen über das Nichtvorhandensein des 1. Klasse-Abteils. Der Zugschaffner hatte gar keine Chance etwas zu sagen, da sie ihn mit Vorwürfen und Forderungen überhäuften. Sehr schnell war seine überaus gute Laune vorbei, was er auch kundtat. Und dann geschah das Unerwartete, er ging nicht weiter auf die beiden ein, fragte nur wie weit sie fahren und war dann bis Allersberg (eine Station vor Nürnberg) nicht mehr zu sehen. Wir hörten nur seine Ansagen bei jeder Haltestelle und hatten unseren Spass. Nach Allersberg kam er also zu den beiden Herren, die schon sehr erregt waren angesichts der noch nicht geregelten Angelegenheit. Der Zugschaffner sagte: „Also ich hatte jetzt die ganze Fahrt zum Nachdenken und Sie haben die Zeit hoffentlich auch dazu genutzt!“ Nach einigem Geplänkel hin und her bekamen die beiden dann jeweils ihren Gutschein für den zuviel bezahlten Fahrpreis – ein Danke kam ihnen nicht über die Lippen, sie fühlten sich ja im Recht.

Gegenüber der beiden Herren saßen drei junge Frauen und nun sprach eine von ihnen den Zugbegleiter an: „Sagen Sie mal, woher kommen Sie denn?“ Er: „Aus einer Stadt in Sachsen mit drei O!“ Alle Fahrgäste rätselten und konnten die Antwort nicht finden…. Der Zugbegleiter löste dann das Rätsel auf: „Korl-Morx-Stodt“ – der Waggon erbebte vor Heiterkeitsstürmen!! Karl-Marx-Stadt, das frühere Chemnitz, so wie es auch heute wieder heißt. Es stellte sich dann heraus, dass eine der drei Frauen auch aus Chemnitz kommt. Während wir uns noch alle kugelten vor Lachen (außer den beiden Herren natürlich), entschwand der Zugbegleiter, um die Ankunft des Zuges in Nürnberg zu verkünden und den Reisenden einen schönen Tag zu wünschen. Alles wie gesagt im kraftvollen Sächsisch.

Und nach einem kurzen Augen blick meldete er sich noch einmal mit einem Gruß an die junge Dame aus Korl-Morx-Stodt, um ihr einen besonders schönen Tag zu wünschen!

In diesem Sinne Dir und Ihnen ooch eenen scheenen Toch!