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Sonntag Vormittag in Uffing – draußen ist es kalt, es ist noch sehr ruhig im Dorf nach dem gestrigen Elfmeterkrimi gegen Italien….

Da beame ich mich doch nach Lesbos zurück und erinnere mich voller Freude an diesen sonnigen Sonntag Vormittag im Bergdorf Stipsi.

Michalis, der so sehr nette und langsam durch die Kurven fahrende Taxifahrer aus Petra, hat mich sanft schaukelnd die 10 km hinauf nach Stipsi gefahren und an der Schule aussteigen lassen. Ich schlendere gemütlich durch das Dorf, welches am Südhang eines Berges thront – mit weiten Ausblicken nach Süden und aufs Meer. Es riecht so gut, ein leichter Wind weht, sanftes Geklapper ist aus den Häusern zu hören. Im Gegensatz zu Werktagen ist es am Sonntag ruhig, auch die Griechen lassen es sonntags ruhiger angehen. Manche sitzen auf ihren Terrassen, schauen bei einem Kaffee Eleniko übers Land und sinnieren. Frauen versorgen die Pflanzen in ihren Gärtchen, Kinder spielen leise, irgendwo ist ein Fernseher zu hören, ein Jungmann knattert auf seiner Maschine durchs Dorf…… In der großen Hauptkirche ist gerade Gottesdienst, die Türen des Gotteshauses stehen weit offen, orthodoxe Gesänge sind zu hören, sie singen von der Freude, das Christos auferstanden ist, also Licht und Liebe mitten unter uns sind. Viele Kerzen brennen und es riecht sanft nach Weihrauch.

Ich setze meinen Spaziergang ins Oberdorf fort, lande an einer weiteren Kirche mit einem weiten Platz davor, der von einer riesigen Bergkiefer beschattet wird. Hier sind tiefer Frieden und Stille zu spüren, einfach nur sein, danken und loben. Tränen fließen einfach so aus mir heraus – es sind paradiesische Tränen des Glücks.

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Unterhalb der Kirche befindet sich eine kleine Kapelle an einer Quelle mit geweihtem Wasser. An den Wänden hängen kleine Ikonen, überall stehen Blumen. Es ist alles so einfach gestaltet, direkt aus den Herzen der Bewohner, auch das berührt mich sehr.

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Dann weiter durch die Gassen streifen, ach da haben sich die Griechen etwas Neues einfallen lassen…. sie streichen ihre Häuser in bunten Farben, lila, grün, rosa – fast schon Quietschfarben. Und wenn schon farbig und bunt, dann wird gleich alles angemalt, Rohre, Stromleitungen, Blumenkästen. Eine farbenfrohe Antwort auf alle sog. Krisen!

Und über dem Berg thront ein Baum, der in Kreuzform wächst. Später erzählt mir eine Bewohnerin, dass der Berg hinter dem Dorf dieses einmal vor den Folgen eines Erdbebens bewahrt hat. Als Dank hat man den Baum in Kreuzform geschnitten und nun wächst er immer so weiter, breitet seine Arme schützend wie ein Engel über das Dorf aus.

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Ich will gar nicht so viel fotografieren, will einfach offen wahrnehmen und auch die Privatsphäre der Bewohner schützen. Doch einen Baum will ich dann doch fotografieren, er ist übervoll mit gelben Pflaumen. Sogleich kommt eine junge Griechin aus dem Haus (man ist wirklich nie unbeobachtet!!) und pflückt ganz viele Früchte und schenkt sie mir. Dafür ist das Foto unscharf geworden!

Grüßen nach rechts und links – Kalimera, issä kala? Guten Morgen, geht’s dir gut? JA, es geht mir gut an diesem Sonntag Morgen, ich bin so reich beschenkt. Durfte Gast sein in diesem ganz normalen lebendigen Bergdorf, fern von jeder Art von Tourismus und „Museum“. Wurde reich beschenkt mit Freundlichkeit und Liebe und tiefer Freude.

 

Und habe mir überlegt, dass ich auch mal an einem Sonntag Vormittag durch mein Dorf hier am Staffelsee streifen könnte, ebenso offen und wahrnehmend. Doch das ist dann eine andere Geschichte…..