Schlagwörter

, , , ,

Bildergebnis für bild mimose

Vor einem Jahr war ich um diese Zeit für einige Tage in Bozen. Wollte diese Stadt und eine online-Mitlernende persönlich kennen lernen, hatte Lust auf Vorfrühling und Dolce Vita.

Es waren schöne Tage, obwohl ich ziemlich erkältet war. Spaziergänge auf dem Panoramaweg in der Sonne und durch die Weinberge, wandeln in der Altstadt, sofort tiefgehende Gespräche mit Claudia über die Freude und das Leben. Und was es ganz konkret heißt, im Alltag bewusst und pragmatisch in der Freude zu sein.

Beim Einkaufen wunderte ich mich über die vielen Plakate, meist in Italienisch zu Frauenrechten, weiblichen Arbeitsplätzen und gleicher Bezahlung, zum Muttersein. Irgendwann wurde mir dann klar, dass dies alles Aktionen zum Weltfrauentag waren. Die Kassiererinnen im Supermarkt trugen große Anstecker, auf denen stand, dass sie es lieben eine Frau zu sein!

Und dann der 8. März selbst: Traditionsgemäß erhalten die Frauen Mimosensträuße als Geschenk. Und wirklich: in der ganzen Stadt waren Marktstände aufgebaut, die Mimosen anboten, überall in den Gassen roch es nach Mimosen.

Die Menschen waren fröhlich, es lag so etwas wie Ehrerbietung für die Frauen in der Luft, eine leichte und bezaubernde Stimmung. Nichts von unserer Schwere und leichten Verbissenheit. Einfach nur Freude und zwar eine ganz bewusste und wertschätzende Freude den Frauen gegenüber. Und so wie die Mimosen duften und kräftig gelb leuchten, so leuchtete es auch in mir.

Am Vormittag kehrte ich dann im Stadtcafe für einen Cappuccino ein. Ich beobachtete die Menschen im Cafe und draußen auf dem Platz. Dann wurde der Tisch neben mir frei, der sogleich wieder belegt wurde – von einer Oma und ihrer Enkelin. Wobei das Wort Oma nicht wirklich passt. Eine Nonna – sehr italienisch, sehr schick. Pelzmantel, schicke Handtasche, Schühchen, frisch gewelltes Haar, perfekt geschminkt, zarter Parfümduft, Perlenkette und goldene Armbanduhr. Eine Dame, eine Erscheinung.

In ihrer Begleitung in vierjähriges Mädchen:  den Schlaf noch im Gesicht, Karohemd, Daunenweste, Prinzessinenröckchen, geflickte Strumpfhose und abgenutzte Stiefel. Sehr waches Gesicht, blitzende Augen, wippender Pferdeschwanz.

Die beiden setzten sich gegenüber, die Oma bestellte sich einen Espresso und offenbar fragte sie ihre Enkelin nach ihrem Wunsch. Ich verstand nur die sehr klare und bestimmte Antwort: „Gelato!“

Und es dauerte nicht lange und der sehr zuvorkommende Ober brachte einen Espresso, ein Glas Wasser und eine große Schale mit sehr viel Erdbeereis.

Die Oma trank ihren Espresso und las etwas in einer Zeitung, die Enkelin kniete auf dem Stuhl und löffelte mit Hingabe und großer Ernsthaftigkeit ihr Eis. Zwischendurch lächelten sie sich mal an, ansonsten keine Kommunikation.

Ich beobachtete das, betrachtete die schöne italienisch gestylte Oma und dann diese zerzauste Enkelin mit einem sehr eigenwilligen Kleidungsstil. Es rührte mich fast zu Tränen, dass die Oma kein einziges Wort des Missfallens äußerte, sie ließ ihre Enkelin einfach sie selbst sein. Große Übereinstimmung zwischen den beiden, Verbundenheit ohne Worte.

Irgendwann konnte die Kleine nicht mehr, die Eisportion war zu groß. Sie legte ihren Löffel hin, fertig. Oma bezahlte und zog sich an. Enkelin nahm ihre Oma an die Hand – und nicht umgekehrt! – und dann zogen sie von dannen. Hinaus in den Frauentag! Ganz bestimmt haben sie dann auch noch Mimosen gekauft.

Meine Güte – wenn alle Mädchen so sein dürften, ganz sie selbst, klar, verbunden, dann brauchen wir vielleicht irgendwann keinen Frauentag mehr. Und schenken den Frauen einfach nur so Mimosen.

Meine Freundin Sieglinde hat auf íhrem Blog auch einmal über den Frauentag in Italien geschrieben, hier ihre Beschreibung:

http://blog.da-sempre.de/italienische-inspirationen-fur-sie.html