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Draußen blitzt und donnert es, der Regen peitscht waagrecht um die Häuser, im Ofen bullert das Feuer und ich denke voller Freude und Begeisterung an den Ausflug auf den Laaber vor ein paar Tagen zurück.

An goldene Oktobertage, die uns der Herbst geschenkt hat.

Kann noch nicht wieder so viel laufen, genieße die Sonne am Balkon und bin fleißig am Schreiben. Ab und zu hängt es dann beim Schreiben – Zeit für eine Kreative Auszeit! Dank meiner Auszeitliste muss ich auch nicht lange nachdenken, schaue einfach nach was mir Freude macht und mich wieder in den kreativen Flow bringt. Eine Idee ist:

Auf den Berg fahren und die Weite spüren!

Na dann nix wie los, Schreibzeug und Sonnenbrille einpacken und auf nach Oberammergau zur Laaberbergbahn. Echt nostalgisch, hat in diesem Jahr ihr 60jähriges Bestehen gefeiert, kleine Gondeln, sehr gemütlich.

Finde direkt vor dem Eingang einen Parkplatz, Berg- und Talfahrtticket kaufen und ein paar Minuten auf die nächste Gondel warten. Kurz nach mir kommt ein Pärchen mittleren Alters, er im Anzug, sie im schicken Hosenanzug, haben offenbar dieselbe Idee: Nichts wie rauf auf den Berg! Die beiden unterhalten sich, werfen sich verliebte Blicke zu und sind einfach sehr nett miteinander. Mein gut geschultes Ohr stellt mit Begeisterung fest, dass sich die beiden auf griechisch unterhalten. Ich verstehe das meiste von dem was sie sprechen, wovon die beiden wiederum keine Ahnung haben. Kommt ja auch nicht so oft vor, dass in Oberammergau Richtung Berg griechisch gesprochen wird und dass es dann auch noch jemand versteht.

Gondel kommt, einsteigen und schon gehts los hinauf in luftige Höhen. Die beiden halten sich etwas verkrampft an den Seitenwänden fest (als ob das etwas nützen würde!). Ich genieße einfach ganz bewusst die Auffahrt, das Hinaufgleiten in die Höhe, ohne festen Boden unter den Füßen. Irgendwann fragt mich dann die Griechin auf deutsch, ob ich mich hier auskenne und ich beschreibe ihr die umliegenden Orte und Berge. Sie übersetzt ins Griechische. Um die Sache zu vereinfachen, gebe ich die nächsten Erklärungen auf griechisch – großes Erstaunen und viel Gelächter!! 10 Minuten Gondelfahrt wie in einer Blase, abgehoben vom Alltag, freischwebend.

Es stellt sich dann heraus, dass die beiden in Athen leben, sie ist Deutschlehrerin und er arbeitet gerade für einige Zeit an der Natoschule in Oberammergau. Auf einmal fragt sie mich dann ganz unvermittelt: „Und Sie – sind Sie Schriftstellerin?“

Ja sieht man es mir denn jetzt schon an? Ich bin sprachlos!!

Oben angekommen verabschieden wir uns (mit viel Gelächter und griechischem „Gedöns“), suche mir einen Tisch auf der Terrasse mit traumhaften Blick aufs Wettersteingebirge und Zugspitze. Genauso wollte ich es haben!

Tiefe Atemzüge, frische Bergluft, Sonne pur und Weite.

Lasse die Gedanken schweifen lassen, schreibe auf wenn mir etwas wichtig erscheint.

Leckeres Essen. Capu.

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Die Gespräche der anderen um mich herum drehen sich um Bergtouren, Übernachtungen auf Berghütten – eine ganz andere Welt. Sie sprechen davon wie sie auf ihren Touren oftmals über sich hinaus gewachsen sind. Von Unwettern und dem Glück einer heißen Suppe.

Am Nachbartisch drei Gäste in wechselnder Besetzung – ein Herr und zwei Damen. Mal der Herr alleine, dann eine Dame dazu, dann eine weitere, dann gehen die beiden an einen anderen Tisch. Er ist einfach.

Paraglider kommen mit großen Rucksäcken vorbei, bereiten sich vor und stürzen sich den Abgrund hinunter und kreisen so lange bis sie im Aufwind sind und über uns kreisen. Ich bewundere diesen Mut und kann komischerweise auch dieses bestimmte Gefühl von Freiheit fühlen.

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Fotografiere meinen geliebten Staffelsee von oben, in der Ferne sind sogar der Ammersee und der Starnberger See zu erahnen.

Bin so ganz mit mir und gleichzeitig ein Teil des Geschehens auf der Bergstation. Schea!

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Dann wieder die drei vom Nachbartisch, machen Selfies und Fotos. Und dann fragt mich der Herr, ob ich ein Foto von ihnen zusammen mache. Na klar!

Komme dann mit dem Herrn über die Paraglider ins Gespräch, er ist ganz erstaunt, dass ich mich auskenne. Kenne mich gar nicht aus, kann nur dieses Gefühl von Fliegen spüren. Wir sprechen über Spiderman und Teleportation – es ist einfach abgefahren oder vielleicht eher abgeflogen!

Dann erzählt er mir, dass er in Portugal lebt und ein oder zweimal im Jahr nach Deutschland kommt um seine Geschwister und Tochter zu besuchen, das erklärt die Damen. Und dann fragt er mich, ob ich Schriftstellerin sei????

Bin einfach sprachlos – was nebenbei gesagt nicht so oft vorkommt bei mir!

Gebe ihm meine Karte mit der Herberge der Freude und er flippt schier aus. Sein Lebensmotto ist es in der Freude zu leben und zu sein!

Sprechen noch ein wenig über meinen Blog, also diesen hier, und das ich mich eher als Schreiberin fühle. Ist das etwas anderes als Schriftstellerin?

Wie auch immer, als ich den Berg wieder hinunter fahre, ist etwas anders. Bin auf wundersame in dieses JA zum Schreiben hinein gewachsen. Fühle mich sehr leicht und frei. Befreit.

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So kann es gehen, wollte doch einfach nur eine Kreative Auszeit auf dem Berg verbringen und dann schenkt mir das Universum so schöne Begegnungen und tiefe Veränderungen im Innen. Einfach mal so in diesem Goldenen Oktober. Im wahrsten Sinne des Wortes Erntezeit. Ernte-Dank-Zeit.