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Draußen tobt der Schneesturm – fast schon ein Blizzard. Drinnen bullert der Ofen und ver´strömt seine angenehme Wärme. Dazwischen ich, aufgewacht mit einem breiten Grinsen. Bleibe noch einen Moment liegen und spüre diesem Grinsen nach…..

Und grinse noch immer. Gibt es einen Grund dafür? Muss es einen Grund dafür geben? Erlaube ich mir einfach grundlos zu grinsen und Freude zu sein?

Grundlos grinsen? Da gibt es offenbar einen Grund in mir, ein Fundament, ein Vertrauen der puren stillen Grundfreude. Etwas was immer da ist, unzerstörbar.

Dieses grundlose Grinsen bringt mich in mein Gleichgewicht, das einseitige Denken, Sorgen, Ängstigen wird ruhiger.

Und dann fällt mir ein Erlebnis ein, welches ich voriges Jahr beim Wandern auf der Insel Lesbos hatte. Wir waren schon mehrere Stunden unterwegs und ich machte eine kleine Pause in einem stark duftenden Kiefernwald, die warme würzige Luft umschmeichelte mich und ich saß grinsend auf einem Stein und war einfach glücklich.

Mit einem Mal war es als sprächen meine schmerzenden Füße miteinander:

Rechter Fuß: Ich trage zu viel Gewicht.

Linker Fuß: Aber du weißt doch dass mein Sprunggelenk kaputt ist und ich nicht so gut laufen kann.

Rechter Fuß: Aber ich trage zuviel und der ganze Körper ist im Ungleichgewicht. Wenn du nicht in deine Kraft kommst und deinen Teil trägst, bleibt es mühsam.

Linker Fuß: Verstehe. Ich möchte doch auch so gerne wieder leicht und schmerzfrei gehen und tanzen.

Und es war wirklich eigenartig – ich konnte so etwas wie Liebe zwischen meinen beiden Füßen spüren und ihren tiefen Wunsch nach Gleichgewicht, Balance, Leichtigkeit und Lebensfreude.

Komisch, dass mir das heute einfällt beim Blick auf die selbstgestrickten Socken. Stimmt schon, alles im Leben strebt nach Gleichgewicht, Ausgeglichenheit, Balance. UND wir sind es, die dafür „verantwortlich“ sind. Offenbar hatte ich es noch nicht wirklich in der Tiefe verstanden und umgesetzt, so brauchte es die Verletzung des rechten Knies vor ein paar Wochen. Die darauf folgende erzwungene Ruhe hat mich erkennen lassen, dass noch so manches in meinem Leben darauf wartet ins Gleichgewicht gebracht zu werden. Aufmerksamer zu sein für die Weichheit, Weiblichkeit, Sanftheit und Zärtlichkeit. All das können wir uns selbst schenken, dazu lädt uns die Adventszeit ein. Halt ein, gib Ruhe, bringe dein Inneres und Äußeres ins Gleichgewicht. Ins Gleichgewicht der Freude und Liebe.

So, der Schneesturm ist vorbei, die Sonne kommt hervor, winterliche Traumlandschaft. Gehe jetzt eine Runde raus und bringe mich ins Gleichgewicht von Sitzen, Schreiben und Bewegung. Und mein Grinsen nehme ich mit!

14.12.