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Den gestrigen Samstag habe ich in der Langau nahe der Wieskirche verbracht. DIE Langau ist eine Bildungs- und Begegnungsstätte, vor vielen Jahren als kleine Initiative von Eltern behinderter Kinder gegründet. Heute erstrahlt sie in neuem renovierten Glanz und hat doch ihr typisches Flair von Gemeinschaft erhalten. Bis auf das legendäre Schwimmbad, welches es leider nicht mehr gibt, nostalgisch leichtes Bedauern…..

Micha hatte mich eingeladen, zu ihrem dort stattfindenden Frauen-Strickwochenende zu kommen, sie nach vielen Jahren wiederzusehen und mit den Frauen zu tanzen.

Wir hatten uns aus den Augen verloren, ich wusste nur, dass sie in Südtirol lebt. Ausgerechnet über facebook haben wir uns „wieder gefunden“, wo ich die sozialen Medien kaum nutze. Das lässt mich nachdenken, hihihi….

Also morgens los in die Langau – was wird mich erwarten?

Wir sehen uns, umarmen uns lange und lange und lange und alles ist so was von gut.

So eine offene und schöne Frau um die 40. Klar, selbstsicher, zugewandt. Sie organisiert dieses Wochenende in der Langau zum 7. Mal und ich staune wirklich mit welcher Ruhe und Umsichtigkeit sie agiert.

Bevor wir uns zum Frühstück niederlassen, stellt sie mich den Frauen vor:

„Ihr wisst ja, dass ich nicht bei meinen Eltern aufgewachsen bin. Das hier ist meine Pflegemama und ohne sie würde ich nicht hier stehen und wäre ich nicht die, die ich heute bin“

Schluck.

Sie ist beschäftigt mit den Frauen, zwischendurch erzählen wir uns und ich staune wirklich nur über ihre Entwicklung. Irgendwann sagt sie dann: „Wir haben alles von euch bekommen und es liegt an uns, was wir daraus machen“

Damit meinte sie sich und die anderen unserer damaligen Wohngruppe in Lebensgemeinschaft.

Sie ist nicht an ihrem vermeintlichen Schicksal zerbrochen. Sie fühlt sich nicht als Opfer ihrer Kindheit. Steht einfach da und ist sie selbst. Hat sich und ihren Weg gefunden. Der sich auch immer wieder mal verändert hat. Seit 11 Jahren lebt sie in Bozen, arbeitet als OP-Schwester in einer Klinik. Strickt und tanzt und lacht. Hat sich über facebook und das Stricken einen tollen Freundinnenkreis aufgebaut, in dem sie gut verankert ist. Und denkt gerade darüber nach, noch einmal etwas ganz Neues zu wagen.

Nach dem Mittagessen haben wir dann eine Runde im Kreis getanzt, das hatte sie sich von mir gewünscht. Tanzen in der Freude, Tanz der Zeitlosen Freude. Tanzen im Kreis und in der Gemeinschaft.

Was für ein schöner Tag. Mit Erinnerungen, na klar. Doch viel stärker war das Hier und Jetzt. Die Freude am Wiedersehen, das Spüren der Verbundenheit über alles hinweg. Einfach sein in einer Umarmung in der nichts dazwischen steht und die keine Worte braucht.

micha-und-sabina

 

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