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Heute ist Marlis dran. Wir kennen uns schon viele Jahre, haben in den 90iger Jahren zusammen im Chor gesungen und miteinander getanzt. Viel miteinander gelacht trotz ihrer vielen Erkrankungen. Waren uns mal näher, mal entfernter, doch immer verbunden. Marlis hatte wirklich kein einfaches Leben, aber sie lässt sich einfach nicht unterkriegen. Hat so ein sonniges warmes Gemüt und sanftes Gesicht. Habe sie schon in manchen Krisenzeiten begleitet, war für sie da, habe sie geströmt bis sie schmerzfrei war.

Vor einem Jahr hatte sie beschlossen ins Betreute Wohnen zu ziehen. Sie fühlte sich überfordert mit dem Alltag, ihr Körper war ein einziger Schmerz. Und so bat sie mich zu Beginn dieses Jahres, ihr beim Ausräumen ihrer Wohnung zu helfen. Mir war die ganze Zeit klar, dass es sich um einen bewussten Prozess des Loslassens handelt – auf allen Ebenen. Und so haben wir uns Stück für Stück außerlich und innerlich durch ihre Wohnung und ihr Leben hindurch gearbeitet. Unzählige Male bin ich zum Wertstoffhof, Bazar, Bücherflohmarkt gefahren. Vieles hat sie über ebay verschenkt. Dazwischen habe ich sie immer wieder geströmt, Ruhephasen, innere Verbindung, Fühlen, Abschied nehmen, Loslassen.

So haben wir uns Schublade durch Schublade gearbeitet, einen ganzen Sommer lang. Und es wurde von Mal zu Mal lichter und heller leichter. Irgendwann war ihr Schlafzimmer leer, habe es mit einer Freundin geweißelt. Sie hat sich ein Pflegebett bestellt und in ihrem Wohnzimmer aufgestellt, nachdem wir so manches umgeräumt und entsorgt haben.

Vor einigen Wochen ist ihr Bruder bei ihr eingezogen, nun hat sie ein Zimmer und er ein Zimmer. Er ist für sie da, geht einkaufen, kocht, repariert.

Am Samstag habe ich die beiden besucht – es war einfach erstaunlich, wie schnell sich die beiden in ihrer „Alten-WG“ zurecht gefunden haben. Beide strahlen mich an, Marlis wirkt erstaunlich fit. Hat wieder Lust auf Leben und Singen und kleine Unternehmungen. Sie ist viel fröhlicher und strahlt von innen heraus.

Gestern rief sie mich an, wollte mir noch was erzählen. Sie hatte zwei ärztliche Behandlungen und berichtete, dass sie sich währenddessen selbst geströmt hat. Einfach so. Hat sich auf ihr Herz konzentriert, ihre Hand darauf gelegt und sich selbst in Liebe geströmt. Sie hatte weniger Angst, keine Schmerzen. Die Ärzte waren ganz überrascht, wie leicht die Behandlungen vonstatten gingen! Yes! Weg von Drama und Schmerz hin zu Freude und Liebe!

Bin selbst ganz begeistert, wie sie nun wieder selbstbestimmt und eigenverantwortlich lebt, hat alle Tools im wahrsten Sinne des Wort in der Hand und im Bewusstsein. Ihr Leben ist wieder lebenswert, sie folgt einfach ihren inneren Impulsen, so gut es eben geht. Und das geht eben ganz einfach – auch als älterer Mensch. Wie schön, wie schön!

Marlis, ich danke dir für unsere lange Freundschaft und diesen gemeinsamen und so besonderen Sommer. Für unser miteinander Gehen und Sein. Wir haben uns gegenseitig gut getan, sind raus aus unseren Dramen und haben – jede für sich – das Leben noch einmal ganz neu entdeckt. Nun kann es wirklich Weihnachten werden, große Freude!